Verlust der eigenen »blinden Flecken«

Haben Sie sich schon einmal die Frage gestellt, wann ein Mensch wirklich »echt« ist? Und was ist überhaupt »echt«? Echt ist ein Mensch doch, wenn die Wahrnehmung eines Menschen in der Öffentlichkeit und im Privaten identisch ist. Wenn er also ohne Maske lebt. Das hört sich eigentlich ganz einfach an und ist manchmal doch so komplex.

Meistens glauben wir zu wissen, wer wir sind. Und doch erleben viele Menschen immer wieder Situationen, in denen sie das eben nicht genau wissen und sich ihrer eigenen Echtheit und ihres eigenen Naturells unsicher sind. Ich selbst kenne diese Situationen und diese Unsicherheiten …

Diese Unsicherheiten entstehen unter anderem, weil sich die Fremdwahrnehmung und unsere eigene Wahrnehmung unserer Person unterscheiden: Äußerlich werden wir anders wahrgenommen, als wir uns selbst sehen. Dies wird in der Psychologie als »blinder Fleck« bezeichnet. Zum Beispiel nehmen mich die meisten Menschen als einen sehr strukturierten Menschen wahr, was ich für mich in meiner Welt nun überhaupt nicht bin.

Warum versuchen wir, unser Fremdbild aufrecht zu erhalten?
Warum ist das so? Warum versuchen wir Menschen manchmal die Annahmen und Fremdwahrnehmungen zu bestätigen und aufrechtzuerhalten, auch wenn es gar nicht zu unserer Identität passt? Warum versuche ich beispielsweise, mein strukturiertes Fremdbild aufrechtzuerhalten? Was bringt es mir, dieses nach außen zu bringen, wobei ich doch innerlich auch damit kämpfen muss, wirklich strukturiert zu sein?

Wenn ich zurückdenke und reflektiere, dann fällt mir auf, dass ich oftmals in der Jugendzeit und im jungen Erwachsenenalter dazu animiert wurde, ruhig zu sein, zurückhaltend zu sein, erstmal zu überlegen. Das führte dann dazu, dass ich in verschiedenen Situationen extrem viel nachdenke und mir dadurch sehr stark im Weg stehe. Warum? Weil mein Naturell eigentlich ein anderes ist. Geht es Ihnen vielleicht auch manchmal so? Vielleicht kennen Sie solche Situationen?

Wie ist es möglich entsprechend des eigenen Naturells zu leben?
Wie können wir »echt« sein? Ich habe festgestellt, dass ich meine Gefühle lange Zeit nicht gelebt habe. In meiner Vergangenheit wurde alles von meinem Kopf dominiert. Meine Gefühle habe ich unterdrückt, nicht wahrgenommen, nicht gelebt. Das ist heute glücklicherweise anders. Zwar nicht immer, dennoch nehme ich meine Gefühle wesentlich häufiger wahr. Dabei sind Gefühle ein Gradmesser für unser Handeln, für richtiges Handeln. Und richtiges Handeln entspricht unserem Naturell. Weil es für uns stimmig und echt ist.

Sich Zeit nehmen
In Situationen, die knifflig sind oder in denen ich befürchte, etwas falsch zu machen, nehme ich mir bewusst die Zeit, in mich hineinzuhören. Ich mache das so, dass ich wirklich gedanklich meinen Bauch und mein Herz frage: „Wie stehst Du dazu?“ Zwickt oder zwackt etwas, ist für mich Vorsicht geboten. Was sind eure blinden Flecken? Und wie bearbeitet ihr diese und vor allen Dingen wie schafft ihr es, diese sichtbar zu machen?

Kraft tanken durch Alleinsein – warum wir die Beziehung zu uns selbst pflegen sollten

Es ist ein dunkler Herbstabend und ich fahre mit dem Auto auf der Autobahn. Ich bin völlig in Gedanken. Ich erinnere mich an Menschen aus meinem Umfeld, an Menschen, mit denen ich zusammen war. Ich erinnere mich an Freude und daran, wie ich Spaß hatte. Und dennoch gibt es dann Momente so wie diesen, in denen ich mich irgendwie alleine fühle.

Weil niemand wirklich da ist. Weil niemand in der Nähe ist, mit dem ich mich austauschen oder mit denen ich gewisse Dinge teilen könnte.

Und auch das ist fair. Und es kommt aus dem Verlust heraus mit Menschen umgehen zu können. Mit Menschen Freundschaften aufbauen zu können. Mit Menschen Beziehungen pflegen zu können.

In diesen Momenten ist es für mich und für jeden, der diese nachdenklichen und manchmal vielleicht traurigen Momente erlebt, wichtig, sich über seine Situation klar zu werden und wieder klare Sicht zu haben. Klarwerden darüber, was uns eigentlich antreibt.

• Warum sind wir hier?
• Warum machen wir dieses oder jenes?
• Was sind unsere Motivationen?
• Was sind unsere Aufgaben?
• Erachten wir diese als sinnvoll?
• Worin erkennen wir für uns persönlich Sinn?
• Warum ist die Situation so, wie sie ist?

Erkenntnis bringt Zuversicht und Freude
Die Antworten auf diese Fragen finden wir nicht im Außen. Wir finden sie nicht bei anderen, weil andere dieses oder jenes gemacht haben. Wir können nur die Antworten nur im Innen finden, indem wir fragen, was uns dahin gebracht hat.
Wenn wir schließlich Antworten auf unsere Fragen finden, können wir aus der Erkenntnis wieder Freude und Zuversicht erhalten. Diese Antworten sind wie Scheibenwischer – wir erhalten wieder klare Sicht auf das, was wichtig ist. Genau darum geht es: Die Freude, sich die Lust auf Dinge wieder zurückzuholen, um fair und lustvoll durchs Leben gehen zu können.

Die Beziehung zu uns selbst pflegen
Diese Situationen und Momente, in denen wir alleine sind, so wie ich an diesem dunklen Herbstabend im Auto, eröffnen uns Chancen, um über uns zu reflektieren und daraus neue Kraft und Freude zu ziehen. Die Beziehung zu uns selbst, sollten wir daher regelmäßig pflegen. Vielleicht fragst du dich jetzt, wie so etwas gehen soll? Ich persönlich meditiere, andere Menschen gehen zum Sport, wieder andere gehen alleine im Wald spazieren. Mache das, was für dich am besten passt und für dich den größten Benefit liefert.

Was ist also das, was dich am meisten antreibt? Was ist das, worauf du am meisten Lust hast? Und wenn du Lust auf etwas verspürst? Stell dir die Frage – wie komme ich da hin? Wie kann ich das umsetzen? Wie schaffe ich es diese Lust zu stillen, diese Freude immer wieder zu erreichen, um positive Gefühle zu bekommen?

Unterforderung als Chance erkennen

Steffen Becker verrät, wie Unterforderung im Job Menschen weiterbringen kann

Höher, schneller, weiter. ‚Burn-out‘ ist schon lange kein Fremdwort und im Businessalltag mittlerweile keine Seltenheit mehr. Aber auch ‚Bore-outs‘ sind nicht gerade selten und sollten nicht unterschätzt werden. „Es gibt doch die Aussage ‚Bitte nicht darum, dass das Leben leicht ist, sondern bitte darum, dass es es wert ist‘. Und wenn man sich ständig unterfordert fühlt, verliert das Leben irgendwann seinen Wert. Es kommt zu einem Verlust der Lebenslust“, sagt Steffen Becker, Inspirator, Sparringspartner und Experte für Verlust und Neubeginn. Er hilft Unternehmern dabei, neue Visionen zu entwickeln und Herausforderungen anzugehen.

Ihm zufolge geht es darum, das Beste aus sich und seinem Leben zu machen und die eigenen Möglichkeiten zu nutzen. „Wenn ich jedoch mich nur unterfordert fühle und nicht den Spaß habe, wieder neue Dinge zu erkennen und an meine Grenzen zu gehen, dann bleibe ich auch gedanklich stehen. Und Stillstand ist mit Rückschritt vergleichbar“, fährt Becker fort.

Menschen, die sich im Job unterfordert fühlen, rät er daher, sich etwas Neues zu suchen, wie beispielsweise ein Hobby: „Wenn wir uns im Job unterfordert fühlen, brauchen wir etwas, das uns ergänzt, dass die Eintönigkeit, die in dem einen Bereich vorhanden ist, in einem anderen Bereich ausgleicht.“

Zudem hält Becker es für sinnvoll, sich in wiederholten Situationen der Unterforderung zu überlegen, wie es einem selbst gelingen kann, aus den eigenen Möglichkeiten das Beste zu machen. „Das gelingt uns zum Beispiel, indem wir ganz viele Dinge einfach mit einer positiven Grundeinstellung ausprobieren, schauen, ob sie für uns funktionieren oder nicht“, so der Experte für Verlust und Neubeginn. Dabei auch mal zu scheitern gehöre dazu und spielt ihm zufolge sogar eine wichtige Rolle: „Durch ein Scheitern erkenne ich, wo meine Stärken liegen und in welche Richtung ich mich weiterentwickeln und entfalten kann. Und an diesen Dingen kann ich dann weiterarbeiten. Unterforderung kann uns also auch neue Möglichkeiten eröffnen und uns im Leben weiterbringen.“

Vorwärtskommen durch Einsicht

Wie beeinflussen uns eigentlich unsere Gefühle? Was führt eigentlich dazu, dass es Dinge im Leben gibt, die schön sind, die »besser« sind, als alles andere bisher, die uns positiv stimmen? Mir fällt das jeden Morgen immer wieder aufs Neue auf, wenn ich meditiert habe.

Meditation verhilft mir zwar nicht unbedingt dazu, die Dinge klarer zu sehen, aber Meditation verhilft in jedem Fall dazu, die täglichen Dinge des Lebens ruhiger und gelassener anzugehen. Und allein das ist in unserer jetzigen Zeit unheimlich viel wert!

Ein Beispiel aus meiner Vergangenheit
Ich erinnere mich an ein Seminar, welches ich im Jahr 2015 besucht habe: »Vipassana« – eine alte indische, buddhistische Mediationsform. Bei diesem Seminar ging es darum, 10 Tage zu meditieren und zwar etwa 12 bis 14 Stunden am Tag. Das war eine sehr spannende Erfahrung für mich.

Der Philosophie des Vipassana nach sind sämtliche Emotionen, die wir im Laufe unseres Lebens fühlen, entwickeln, erhalten, in unserem Körper gespeichert. Durch das Meditieren sind wir in der Lage, all diese Emotionen – all die negativen, die dunklen Dinge wie auch die hellen und positiven – zu erkennen und festzuhalten. Vipassana bedeutet nämlich „Einsicht“.

Einsicht, Klarsicht, Weitsicht
Es geht darum, die Dinge, die uns widerfahren, die wir in unsere Körper aufgenommen haben, diese Gefühle zu bearbeiten, den Körper wirklich als einen Resonanzkörper zu betrachten, der widerspiegeln kann, wie es einem geht. Der Körper zeigt, ob es einem wirklich gut geht oder ob einem in einem bestimmten Zusammenhang, in einer bestimmten Hinsicht noch etwas fehlt.

Insofern muss ich vielleicht meine Aussage revidieren, dass Mediation keine Klarheit bringe. Denn durch dieses Betrachten der eigenen Gefühle in der Vipassana-Meditation lässt sich erkennen, was wir in uns haben und noch brauchen, um ein (noch) glücklicheres Leben zu führen. Einsicht bringt Klarsicht und Klarheit auf den Ist-Zustand und Weitsicht auf das, was wir brauchen und was noch kommt.

Für ein besseres Leben
Und wenn das das Ziel ist, das Leben besser werden zu lassen, als es bisher war, dann freue ich mich, wenn Sie mir mitteilen, was Ihre Herausforderungen sind, und wie Sie sie lösen möchten. Ich bin Ihr Sparringspartner und bin für Sie da, um Ihnen zu helfen, dass Sie vorwärtskommen. Denn das ist meine persönliche Mission.

Beziehungsweise – Umgang mit ehemaligen Lebenspartnern

Man liebt sich, man liebt sich nicht. Aus ganz nah wird auf einmal ganz fern. Wie gehen wir eigentlich damit um, wenn eine Beziehung auseinandergegangen ist?

Ich kenne so viele Menschen, die in einer Beziehung waren, die dann irgendwann einmal auseinandergegangen ist. Mich hat das natürlich auch betroffen, denn ich war auch mal verheiratet. Klar, das Ende einer Liebe und einer Beziehung schmerzt, eine Trennung ist ein Verlust, den wir verarbeiten müssen. Dem ehemaligen Partner dann freundlich, respektvoll und fair zu begegnen, fällt vielen nicht leicht.

In meinem persönlichen wie auch in meinem beruflichen Alltag erlebe ich es sehr, sehr häufig, dass Menschen dann einfach gar nicht mehr miteinander reden und umgehen können. Oder aber, dass sie nicht aufhören können, einander stetig zu provozieren. Wie kommt es dazu? Schließlich ist ein Stück des Lebens gemeinsam gegangen.

Auch ich habe zwei sehr lange Beziehungen hinter mir. Mit einer Frau war ich verheiratet, mit einer anderen habe ich eine Lebenspartnerschaft geführt. Beide Beziehungen endeten völlig unterschiedlich.

Während ich mit meiner ehemaligen Frau, mit der ich auch zwei Kinder habe, heute noch reden kann, und wir uns – nicht nur wegen der Kinder – noch in die Augen schauen können, fällt das bei der ehemaligen Lebenspartnerin wesentlich schwerer. Und das liegt nicht zwingend daran, dass wir keine gemeinsamen Kinder haben, sondern eher daran, dass wir Menschen einfach nicht in der Lage sind zu erkennen, was tatsächlich gewesen ist.

Wir sind mit einem Menschen zusammen (gewesen), weil wir diese Person lieben. Und wir sind meistens sogar länger in einem positiven Gefühl mit diesem Partner als in einem negativen. Und dennoch konzentrieren wir uns im Nachhinein oft nur auf das Negative und sagen, was alles Mist war. Wir erkennen nicht, welche Chancen sich uns ergeben und geboten hatten. Wir erkennen nicht, welche Zeit wir oftmals zusammen schön durchs Leben gegangen sind. Wir sehen immer nur die negativen Dinge.

Doch genau darin liegt auch die Chance für einen Neuanfang: Eine Chance zu erkennen, was die Beziehung und die Trennung uns sagen soll. Warum ging die Beziehung auseinander? Was ist mein Beitrag dazu? Reflektieren – was habe ich falsch gemacht? Und im nächsten Schritt überlegen, was ich in Zukunft besser machen könnte – und es natürlich auch umsetzen. Denn machen wir uns bitte klar: Auch diese Beziehung war fair. Es sind immer zwei Menschen die eine Situation so herbeiführen wie sie dann ist.

Um die Welt ein Stückchen besser zu machen, würde ich mir wünschen, dass es uns einfach gelingt, diese positiven Dinge wirklich zu sehen, in den Fokus zu rücken, um damit einfach das Leid und die Aggressivität, die wir in unserer Gesellschaft haben, ein klein wenig zu minimieren. Und dies ist keine Frage von Geld, dies ist einfach eine Frage von Einstellung.

Erfolg durch Perspektivwechsel

Steffen Becker erklärt, wie man bei ‚Verlust‘ die Perspektive ändern und weiterkommen kann

Unternehmen geben Ziele vor, Mitarbeiter haben diese dann zu erreichen. Das gelingt mal mit mehr oder minderem oder auch gar keinem Erfolg. „Wer Ziele erreichen möchte und will, dass sich neue Chancen und Wege eröffnen, muss die Perspektive wechseln und gewisse Dinge einfach loslassen“, behauptet Steffen Becker, Experte für Neubeginn. „Bei meiner Arbeit erlebe ich es beispielsweise häufig, dass nicht danach gefragt wird, wie eigentlich die Ziele der einzelnen Mitarbeiter aussehen“, sagt Becker. Das sei aber extrem wichtig, denn die Zielvorgaben des Unternehmens seien natürlich nicht immer deckungsgleich mit den Mitarbeiterzielen. Die Motivation, diese Vorgaben einzuhalten und zu erreichen, ist bei den Mitarbeitern also vielleicht gar nicht gegeben.

Zur Verdeutlichung zieht der Berater und Inspirator einen Vergleich heran: „Eine Zeit lang war die Meinung, die Erde sei eine Scheibe, eine weit verbreitete Ansicht. Das hat sich als Irrtum herausgestellt, weil alte Denkmuster hinterfragt wurden. Mit welchem Erfolg?“ Der Experte rät daher, die Perspektive zu wechseln. „Das bedeutet natürlich nicht, gleich das Geschäftsmodell des Unternehmens zu verändern, denn das befürchten viele, sondern es geht darum, die eigene Sichtweise zu verändern und ein Bewusstsein dafür zu schaffen, was die eigenen Mitarbeiter eigentlich wirklich wollen.“

An diesem Perspektivwechsel ist Steffen Becker zufolge spannend, dass die selbstgewählten Ziele der Mitarbeiter oftmals sogar höher sind. Infolgedessen sei das Ergebnis höherwertig, was zu einer höheren Profitabilität für das Unternehmen führe. Seinen Klienten gegenüber betont Becker daher immer wieder, Hintergründe und Zusammenhänge zu prüfen, nach den Motivationen anderer Beteiligter zu fragen und nicht an alten Denkmustern festzuhalten, nur weil etwas „schon immer so gemacht wurde“. „Denn dieser ‚Verlust‘ kann uns weiterbringen! Durch diese Freiheit können wir neue Sachen ausprobieren. Das kann unfassbar positive Auswirkungen haben“, sagt Becker und rät abschließend: „Die Erde ist keine Scheibe. Wagen Sie Neues.“

Überfordert, unterfordert – ein Leben voller Ansprüche

Höher, schneller, weiter. Alle reden über Burnout, aber auch ein Boreout durch Unterforderung im Job ist ein harter und ernstzunehmender Gegner, den man nicht unterschätzen sollte! Ein Boreout kann uns ebenso krank machen wie ein Burnout.

Erst vor Kurzem habe ich mich lange mit einem Mann unterhalten, der Rettungssanitäter und bei der Feuerwehr ist. Das war ein total spannendes Gespräch! Denn statt eines Gesprächs über Überforderung – wie ich es erwartet hatte – wurde daraus ein Gespräch über Unterforderung und die Mentalität unserer Gesellschaft.

Der Rettungssanitäter meinte direkt, dass ich vermutlich eine völlig falsche Vorstellung von seinem Beruf hätte, von dem, was er tut und wie seine Arbeit tatsächlich abläuft. Ich sollte ihm einfach mal meine Vorstellung von seiner Tätigkeit schildern. Ich sagte: „Okay, vermutlich hast du so zwischen 3 und 5, vielleicht aber auch 6 oder 7 Mal im Jahr sehr heftige Einsätze, die dich psychisch mitnehmen. Ansonsten stelle ich mir aber vor, dass viele deiner Einstätze und das, was du zu bewältigen hast, relativ ‚normal‘ ist.“

Er sagte: „Einerseits ja, andererseits nein.“ Er bestätigte mir zwar meine Vorstellungen, sagte aber auch, dass er sich oftmals total unterfordert fühle und sich in diesem Zusammenhang sehr häufig über die Art und Weise ärgere, wie manche Menschen agieren. Viele Menschen nutzen die Arbeit der Rettungssanitäter und die Möglichkeit, in ein Krankenhaus zu kommen, schamlos aus. Ein Krankentransport mit Rettungswagen ist zwar nicht immer medizinisch zwingend notwendig – aber eben bequem und praktisch …

Der Rettungssanitäter erzählte mir unter anderem von einem Beispiel, in dem eine Frau den Krankentransport – überspitzt gesagt – als ein bequemeres Taxi nutzen wollte. Sie rief in der Zentrale an, klagte über Bauchschmerzen und wollte zu Hause abgeholt werden. Auf die Nachfrage, ob sie allein sei oder ob nicht zunächst ein Familienangehöriger oder Freund sie ins Krankenhaus bringen könne, sagte sie, sie sei verheiratet. Wo denn der Mann sei? Der liege neben ihr. Auf die Frage, ob nicht der Mann sie ins Krankenhaus bringen könne, antwortete die Frau, dass sie ihn doch deshalb nicht wecken könne. Lieber solle der Krankenwagen kommen.

Wenn man sich das einfach mal genau ansieht, dann zeigt sich, dass es in unserer Gesellschaft scheinbar normal geworden ist, Gelder aus dem Fenster zu schmeißen. Wir reden immer über Verluste, die wir erleiden. Aber ich glaube eher, es ist ein viel größerer Verlust, nicht das Wesentliche zu erkennen. Es wäre fair, wenn Menschen wieder Lust dazu bekommen würden, sich darüber klar zu werden, um was es eigentlich geht in unserer Gesellschaft.

Denn dieses Abgeben von Verantwortung, das Abgeben von – ich sage jetzt auch mal – sinnvollen Entscheidungen, das ist schon sehr krass und kostet uns Bürgern einen Haufen Geld. Und das sollten wir einfach vermeiden. Denn dafür müssen wir im Endeffekt alle geradestehen.

Mit Freiheit Ziele besser erreichen

Irgendwie erreichen Sie Ihre Ziele nicht. Sie möchten aber, dass sich Ihnen neue Chancen und Wege eröffnen? Das ist nur möglich, indem Sie die Perspektive wechseln, indem Sie Dinge loslassen und indem Sie hinterfragen.

»Die Erde ist eine Scheibe«

Das war zumindest früher Mal eine weit verbreitete Ansicht, die sich als ein Irrtum der Menschheit herausgestellt hat. Heute – weil kluge Köpfe alte Glaubenskonstruktionen hinterfragten und die Welt erforschten – wissen wir, dass die Erde natürlich nicht flach, sondern rund ist.

Sie werden vielleicht etwas staunen, wenn ich Ihnen sage, dass es sich mit Zielen manchmal ähnlich verhält. Wenn es um das Thema »Ziele« geht, verfahren viele Unternehmen meist vergleichbar! Wir geben Ziele in Unternehmen vor und sagen, was die Mitarbeiter zu tun haben und dass die vorgegebenen Ziele erreicht werden müssen.

Was wir oftmals aber nicht machen, ist, dass wir wirklich danach fragen, wie eigentlich die Ziele der einzelnen Mitarbeiter aussehen.

Kennen Sie die Ziele Ihrer Mitarbeiter?

Ein Beispiel aus meiner beruflichen Praxis: Bei einem Auftrag habe ich es erlebt, dass die Mitarbeiter des Unternehmens klare Zielvorgaben und Regeln hatten. Es gab beispielsweise Vorgaben, wie viele Abschlüsse die Mitarbeiter zu erreichen hatten. Nachdem ich mit dem Unternehmen eine Zeit lang zusammengearbeitet habe, habe ich dann mal nachgefragt: „Wieso macht ihr das eigentlich so, wie ihr es tut?“ Da war die Aussage: „Na ja, ich muss ja irgendwie ausreichend Umsatz machen, damit ich die Leute bezahlen kann, damit ich die Kosten tragen kann und damit natürlich bestenfalls am Ende auch noch etwas übrigbleibt.“

Das kennen Sie sicher.

Die Perspektive wechseln

Ich habe ihnen dann eine Idee nähergebracht, und sagte: „Geht doch mal her und lasst wirklich eure Mitarbeiter entscheiden, was sie erreichen wollen. Ihr müsst gar nicht euer Provisionsmodell oder euer Geschäftsmodell verändern. Sondern es geht im Endeffekt darum, nur die Sichtweise zu verändern und darauf zu lenken, was die Mitarbeiter tatsächlich erreichen wollen.“

Neue Zielvereinbarungen treffen

Und das Spannende an der ganzen Geschichte war, dass die selbstgewählten Ziele wesentlich höher waren und dadurch auch das Ergebnis wesentlich höherwertig war. Und das höhere Ergebnis führte natürlich zu höherer Profitabilität.

Was hat das mit der Erde als Scheibe bzw. als Kugel zu tun? Und was hat das jetzt mit dem Thema »Verlust« zu tun?

Loslassen, hinterfragen, etwas wagen

Das hat insofern mit Verlust zu tun, dass es häufig besser sein kann, Dinge loszulassen. Weil wir oftmals an etwas festhalten, ohne neue Sachen auszuprobieren und die alten Dinge infrage zu stellen.

Hinterfragen Sie die genauen Zusammenhänge und Hintergründe. Fragen Sie sich nach Ihren Motivationen und nach den Motivationen von anderen. Die Erde ist keine Scheibe. Wagen Sie Neues. Wechseln Sie die Perspektive. Sie werden erstaunt sein, welche positiven Auswirkungen das haben kann.

Und dazu möchte ich Sie einfach ermuntern: Stellen Sie Dinge, die tagtäglich um Sie herum passieren, infrage.

Der Retter in der Not

Der Experte für Neubeginn weiß, wie man mit Verlusten umgeht und den Neustart wagt

Über persönliche Niederlagen, falsche Entscheidungen und generell Schwierigkeiten wird meist nur ungern und daher sehr wenig gesprochen. „Es könnte ja als Schwäche ausgelegt werden, wenn es nach außen gezeigt wird“, weiß Steffen Becker. Er ist Fachmann für Situationen, in denen alle Stricke reißen, alles schiefgeht oder scheinbar kein Weg mehr aus der Sackgasse herausführt.

Die negative Grundhaltung gegenüber Niederlagen möchte er ändern: „Ich bin der Überzeugung, das alles, was uns im Leben widerfährt, einen Sinn hat. Rückschläge und Misserfolge haben ganz klar schmerzhafte Seiten, aber auch faire Seiten, die wir für uns nutzen können. Wir müssen ‚nur‘ die Perspektive ändern“, sagt Becker.

Vor allem Menschen in anspruchsvollen Berufen oder Positionen wie beispielsweise Führungskräfte fühlen und sehen sich häufig als Einzelkämpfer. „Mitarbeiter sollen mit ihren Problemen nicht belastet werden, Kollegen gegenüber möchten sie keine Schwäche zeigen. Aber erst recht für diese Situationen ist es unerlässlich, sich herauszufordern“, weiß der Experte für Neubeginn und Widerstandsfähigkeit. Er hilft seinen Kunden, sich selbst den Spiegel vorzuhalten. „Als Sparringspartner sehe ich meine Aufgabe darin, die Menschen, mit denen ich arbeite, weiterzubringen. Die Wahrheit kann wehtun, doch nur wer bereit ist, die Wahrheit zu erkennen, kann sich weiterentwickeln.“

Konkret bedeutet das, dass Becker seine Kunden dabei begleitet, die für sie selbst passende Vision zu entwickeln, Schwierigkeiten und Herausforderungen zu meistern. Seinen Kunden will er außerdem Mut machen, Dinge endlich anzugehen und etwas Neues auszuprobieren. Dafür erachtet er es als wichtig, auch mal einen anderen Blickwinkel einzunehmen: „Es gehen immer neue Türen auf, wenn wir mit Lust dranbleiben, uns fokussieren und weitermachen. Wer es schafft, in seinen Verlusten einen Sinn auszumachen, lernt damit leichter umzugehen und findet nicht nur einen Weg, um weiterzukommen, sondern auch einen, um aufzusteigen. Das gelingt uns, wenn wir im Verlust den ‚fair.lust‘ erkennen“, schließt Steffen Becker.