Überfordert, unterfordert – ein Leben voller Ansprüche

Höher, schneller, weiter. Alle reden über Burnout, aber auch ein Boreout durch Unterforderung im Job ist ein harter und ernstzunehmender Gegner, den man nicht unterschätzen sollte! Ein Boreout kann uns ebenso krank machen wie ein Burnout.

Erst vor Kurzem habe ich mich lange mit einem Mann unterhalten, der Rettungssanitäter und bei der Feuerwehr ist. Das war ein total spannendes Gespräch! Denn statt eines Gesprächs über Überforderung – wie ich es erwartet hatte – wurde daraus ein Gespräch über Unterforderung und die Mentalität unserer Gesellschaft.

Der Rettungssanitäter meinte direkt, dass ich vermutlich eine völlig falsche Vorstellung von seinem Beruf hätte, von dem, was er tut und wie seine Arbeit tatsächlich abläuft. Ich sollte ihm einfach mal meine Vorstellung von seiner Tätigkeit schildern. Ich sagte: „Okay, vermutlich hast du so zwischen 3 und 5, vielleicht aber auch 6 oder 7 Mal im Jahr sehr heftige Einsätze, die dich psychisch mitnehmen. Ansonsten stelle ich mir aber vor, dass viele deiner Einstätze und das, was du zu bewältigen hast, relativ ‚normal‘ ist.“

Er sagte: „Einerseits ja, andererseits nein.“ Er bestätigte mir zwar meine Vorstellungen, sagte aber auch, dass er sich oftmals total unterfordert fühle und sich in diesem Zusammenhang sehr häufig über die Art und Weise ärgere, wie manche Menschen agieren. Viele Menschen nutzen die Arbeit der Rettungssanitäter und die Möglichkeit, in ein Krankenhaus zu kommen, schamlos aus. Ein Krankentransport mit Rettungswagen ist zwar nicht immer medizinisch zwingend notwendig – aber eben bequem und praktisch …

Der Rettungssanitäter erzählte mir unter anderem von einem Beispiel, in dem eine Frau den Krankentransport – überspitzt gesagt – als ein bequemeres Taxi nutzen wollte. Sie rief in der Zentrale an, klagte über Bauchschmerzen und wollte zu Hause abgeholt werden. Auf die Nachfrage, ob sie allein sei oder ob nicht zunächst ein Familienangehöriger oder Freund sie ins Krankenhaus bringen könne, sagte sie, sie sei verheiratet. Wo denn der Mann sei? Der liege neben ihr. Auf die Frage, ob nicht der Mann sie ins Krankenhaus bringen könne, antwortete die Frau, dass sie ihn doch deshalb nicht wecken könne. Lieber solle der Krankenwagen kommen.

Wenn man sich das einfach mal genau ansieht, dann zeigt sich, dass es in unserer Gesellschaft scheinbar normal geworden ist, Gelder aus dem Fenster zu schmeißen. Wir reden immer über Verluste, die wir erleiden. Aber ich glaube eher, es ist ein viel größerer Verlust, nicht das Wesentliche zu erkennen. Es wäre fair, wenn Menschen wieder Lust dazu bekommen würden, sich darüber klar zu werden, um was es eigentlich geht in unserer Gesellschaft.

Denn dieses Abgeben von Verantwortung, das Abgeben von – ich sage jetzt auch mal – sinnvollen Entscheidungen, das ist schon sehr krass und kostet uns Bürgern einen Haufen Geld. Und das sollten wir einfach vermeiden. Denn dafür müssen wir im Endeffekt alle geradestehen.

Mit Freiheit Ziele besser erreichen

Irgendwie erreichen Sie Ihre Ziele nicht. Sie möchten aber, dass sich Ihnen neue Chancen und Wege eröffnen? Das ist nur möglich, indem Sie die Perspektive wechseln, indem Sie Dinge loslassen und indem Sie hinterfragen.

»Die Erde ist eine Scheibe«

Das war zumindest früher Mal eine weit verbreitete Ansicht, die sich als ein Irrtum der Menschheit herausgestellt hat. Heute – weil kluge Köpfe alte Glaubenskonstruktionen hinterfragten und die Welt erforschten – wissen wir, dass die Erde natürlich nicht flach, sondern rund ist.

Sie werden vielleicht etwas staunen, wenn ich Ihnen sage, dass es sich mit Zielen manchmal ähnlich verhält. Wenn es um das Thema »Ziele« geht, verfahren viele Unternehmen meist vergleichbar! Wir geben Ziele in Unternehmen vor und sagen, was die Mitarbeiter zu tun haben und dass die vorgegebenen Ziele erreicht werden müssen.

Was wir oftmals aber nicht machen, ist, dass wir wirklich danach fragen, wie eigentlich die Ziele der einzelnen Mitarbeiter aussehen.

Kennen Sie die Ziele Ihrer Mitarbeiter?

Ein Beispiel aus meiner beruflichen Praxis: Bei einem Auftrag habe ich es erlebt, dass die Mitarbeiter des Unternehmens klare Zielvorgaben und Regeln hatten. Es gab beispielsweise Vorgaben, wie viele Abschlüsse die Mitarbeiter zu erreichen hatten. Nachdem ich mit dem Unternehmen eine Zeit lang zusammengearbeitet habe, habe ich dann mal nachgefragt: „Wieso macht ihr das eigentlich so, wie ihr es tut?“ Da war die Aussage: „Na ja, ich muss ja irgendwie ausreichend Umsatz machen, damit ich die Leute bezahlen kann, damit ich die Kosten tragen kann und damit natürlich bestenfalls am Ende auch noch etwas übrigbleibt.“

Das kennen Sie sicher.

Die Perspektive wechseln

Ich habe ihnen dann eine Idee nähergebracht, und sagte: „Geht doch mal her und lasst wirklich eure Mitarbeiter entscheiden, was sie erreichen wollen. Ihr müsst gar nicht euer Provisionsmodell oder euer Geschäftsmodell verändern. Sondern es geht im Endeffekt darum, nur die Sichtweise zu verändern und darauf zu lenken, was die Mitarbeiter tatsächlich erreichen wollen.“

Neue Zielvereinbarungen treffen

Und das Spannende an der ganzen Geschichte war, dass die selbstgewählten Ziele wesentlich höher waren und dadurch auch das Ergebnis wesentlich höherwertig war. Und das höhere Ergebnis führte natürlich zu höherer Profitabilität.

Was hat das mit der Erde als Scheibe bzw. als Kugel zu tun? Und was hat das jetzt mit dem Thema »Verlust« zu tun?

Loslassen, hinterfragen, etwas wagen

Das hat insofern mit Verlust zu tun, dass es häufig besser sein kann, Dinge loszulassen. Weil wir oftmals an etwas festhalten, ohne neue Sachen auszuprobieren und die alten Dinge infrage zu stellen.

Hinterfragen Sie die genauen Zusammenhänge und Hintergründe. Fragen Sie sich nach Ihren Motivationen und nach den Motivationen von anderen. Die Erde ist keine Scheibe. Wagen Sie Neues. Wechseln Sie die Perspektive. Sie werden erstaunt sein, welche positiven Auswirkungen das haben kann.

Und dazu möchte ich Sie einfach ermuntern: Stellen Sie Dinge, die tagtäglich um Sie herum passieren, infrage.